Was ist Cannabis?
Cannabis ist nicht einfach nur Cannabis. So seltsam dieser Satz auch klingen mag, er stimmt. Noch immer umgeben viele Geheimnisse diese Pflanze, oder sollte man sagen, diese Pflanzen. Cannabis ist nämlich eine botanische Gattung, die 3 Untergattungen umfasst:
- Cannabis Sativa, auch Industrie- oder Nutzhanf genannt. Diese Sorte wird wegen ihres hohen CBD-Gehalts (Cannabidiol) und ihres sehr geringen THC-Gehalts gewählt. Nach europäischem Recht sind nur bestimmte ausgewählte Sorten von Cannabis Sativa für den Anbau zugelassen. In Frankreich darf der Delta-9-THC-Gehalt der Pflanze 0,3 % nicht überschreiten, und die daraus gewonnenen Extrakte müssen dieselbe Grenze einhalten (Ministerialerlass vom 30. Dezember 2021, arrêté du 30 décembre 2021). CBD-Produkte stammen ausschließlich aus Cannabis Sativa.
- Cannabis Indica, auch Marihuana genannt, ist die Pflanze, deren THC-reiche Blüten zu Freizeitzwecken (als Betäubungsmittel) verwendet werden. In Frankreich ist dies, wie in vielen Ländern der Europäischen Union, streng verboten: Verkauf oder Konsum THC-haltiger Produkte können Ihnen je nach geltendem Recht des Landes, in dem Sie sich befinden, Ärger mit der Justiz einbringen, bis hin zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe. In Frankreich wird der unerlaubte Konsum von Betäubungsmitteln, etwa von THC-reichem Harz oder Blüten von Cannabis Indica, mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe und höchstens 3.750 € Geldstrafe geahndet (Artikel L3421-1 des französischen Gesetzbuchs über die öffentliche Gesundheit, Code de la santé publique) und kann mit einer Pauschalgeldstrafe belegt werden; Besitz oder Verkauf ziehen deutlich schwerere Strafen nach sich. Der CBD-Gehalt dieser Pflanze ist sehr gering.
- Cannabis Ruderalis, auch wilder Hanf genannt, zeichnet sich durch seine geringe Größe, meist unter einem Meter, und seine früh erscheinenden Blüten aus. Cannabis Ruderalis bildet wenig CBD und wenig THC.
Was ist THC
THC (Δ9-Tetrahydrocannabinol) ist eine psychotrope Substanz, die von Cannabis auf natürliche Weise gebildet wird. Sie ruft verschiedene Wirkungen hervor, etwa eine Bewusstseinsveränderung, Gedächtnisverlust, Herzklopfen usw. THC gilt in Frankreich und in den meisten Ländern der Europäischen Union gesetzlich als Betäubungsmittel (Droge). Sein Konsum und sein Vertrieb sind daher verboten, abgesehen von tolerierten Spuren in zugelassenen Hanfprodukten (höchstens 0,3 %) und in zugelassenen Arzneimitteln.

Was ist CBD?
CBD (Cannabidiol) ist ebenfalls ein Molekül aus Hanf, einer Cannabissorte. Anders als THC ist CBD nicht psychotrop. In seinem Kanavape-Urteil vom 19. November 2020 (Rechtssache C-663/18) stellte der Gerichtshof der Europäischen Union fest, dass CBD nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse weder eine psychotrope noch eine schädliche Wirkung auf die menschliche Gesundheit zu haben scheint und nicht als Betäubungsmittel eingestuft werden kann. CBD wird von Forschern untersucht, ist aber kein Arzneimittel: Abgesehen von einem verschreibungspflichtigen Arzneimittel für bestimmte seltene Formen der Epilepsie (Epidyolex) lassen die Ergebnisse keine Schlussfolgerung zu.
Ist CBD legal?
CBD wird in Frankreich und Europa seit mehreren Jahren verkauft. In Frankreich beruhte der Verkauf cannabidiolhaltiger Produkte lange Zeit auf einer rechtlichen Grauzone. In einem Urteil vom 23. Juni 2021 (Nr. 20-84.212) entschied die Strafkammer des französischen Kassationsgerichtshofs (Cour de cassation) in Anwendung des Kanavape-Urteils, dass ein Gericht nicht verurteilen durfte, ohne zu prüfen, ob das beschlagnahmte CBD in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union rechtmäßig hergestellt worden war. Mit seiner Entscheidung Nr. 444887 vom 29. Dezember 2022 hob der Staatsrat (Conseil d'État) dann das Verbot des Verkaufs roher Hanfblüten und -blätter auf: CBD ist kein Betäubungsmittel, und Produkte aus Hanfsorten, deren THC-Gehalt 0,3 % nicht überschreitet, dürfen verkauft werden. Zwei Grenzen bleiben bestehen: Lebensmittel mit CBD (Öle zum Schlucken, Fruchtgummis, Getränke) sind in der Europäischen Union nicht zugelassen und dürfen in Frankreich nicht verkauft werden (französisches Landwirtschaftsministerium, 20. Mai 2026), und halbsynthetische Cannabinoide wie HHC, H4-CBD oder THCP sind seit dem 3. Juni 2024 als Betäubungsmittel eingestuft (französische Arzneimittelbehörde ANSM).



